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ROBERT WEINKAUF ÜBER EINEN LIEDERABEND MIT MÔRRE

Im Frühjahr 2026 veröffentlichte der Musiker und Veranstalter Robert Weinkauf

nach einem Konzert von Môrre im Café Marché 15 in Weißenfels

die folgende Rezension in den sozialen Medien.

Wenn er so auf die Bühne kommt in zu kurzen Anzughosen, im weißen, etwas zu großen Hemd und mit schicken Hosenträgern und sich dann fast schüchtern ans Klavier setzt, sieht man sofort den Môrre, der eine Bühnenfigur von Moritz Schanz sein könnte. Über den Abend verhärtet sich allerdings ganz weich der Verdacht, dass Môrre und Moritz Schanz doch zumindest fast ein’ und dieselbe Person sind, sich einander bedingen.

 

Mit jedem gesungenen Wort, jedem kleinen Gedichtvortrag

und jeder herzlichen Anekdote berührt Môrre die Gäste

im voll besetzten Café Marché 15 am Weißenfelser Markt.

 

Widerstandslos lässt sich jede und jeder (!) von uns mitnehmen in eine Gefühls- und Gedankenwelt, die wir Alten – Môrre hat gerade erst die 30 gestreift und könnte somit locker Sohn oder Enkel von Gästen und Gastgeber sein – mit unserer Kindheit und frühen Jugend verbinden: mit all dieser wunderbaren Naivität, in der wir uns geborgen fühlten, in der wir überall dort, wo wir ganz so sein durften, wie wir wollten, ein Zuhause spürten.

 

Môrre versetzte uns mit seinen klug nuancierten (aber eben doch zuerst ganz schlicht erscheinenden) Texten in eine auch uns allen eigene Zeit, eine Zeit, in der so vieles in und um uns im Einklang war und wir in diesem Damals in den meisten Fällen behütet waren und beschützt genug, um so unzählig viele Träume und wagemutige Ideen haben zu können.

 

Mal wieder auf einem Drachen fliegen! Leute, wie lange ist das her?!

 

Weil wir erwachsen sind, klingt das, was ich hier schreibe, wohl eher infantil, als dass es einen sehr guten, sich in der Tiefe der Seele verankernden Abend versprechen würde. Oder? Aber nein! Weit gefehlt! Môrres Welt unterscheidet sich nicht wesentlich von der, in die wir uns bereitwillig von Gerhard Schöne, manchmal Klaus Hoffmann und (ich denke, vor allem) Herman van Veen mitnehmen lassen. Künstler, die von uns für genau das geschätzt werden, was sie da wie tun seit Jahrzehnten, in allen drei Fällen sogar schon weit länger als ein halbes Jahrhundert: Kinderlieder für Erwachsene.

 

Bei denen sitzen wir auch im Konzert oder zu Hause vor unseren Lautsprecherboxen und können immer wieder mitstaunen, mitfühlen, dürfen weich sein, dürfen alles fragen und mit einer kindgerechten Antwort zufrieden sein, weil wir sie endlich verstanden haben, müssen wir eine überbordende Fantasie nicht „spinnert“ oder absurd finden, sondern dürfen uns in ihr verlieren, so, wie es diese Künstler – zu denen ich Môrre seit gestern Abend auch zähle! – eben auch tun, für sich und für uns. Und das sind doch trotzdem alles „richtige Männer“!

Alle - ich denke wirklich: ausnahmslos - waren wir berührt.

 

Und das war ein ganz anderes Moment des gestrigen Abends, das mich sehr berührt hat: Etwa die Hälfte meines Publikums bei WEINKAUF trifft… sind Männer, wirklich nur unwesentlich in der Unterzahl. Das ist ja schon mal ungewöhnlich und herrlich erfreulich zugleich. Und alle, die wir als „gestandene Männer“ (was auch immer die Kriterien für diese geläufige Bezeichnung sind…) im Café saßen, waren wir bereit und in der Lage, uns von dieser Unbefangenheit und zuweilen eben auch Kindlichkeit mitnehmen zu lassen.

 

Alle - ich denke wirklich: ausnahmslos - waren wir berührt und nicht selten in den Gedanken verfangen, wie gern auch wir Männer ab und an kindlich sein wollten.

Da, wo es niemand sieht, nur in einem vertrauten Hort, bei der Liebsten vielleicht, aber eben doch fast zwingend ab und an. Warum spricht man denn immer wieder vergleichsweise warmherzig von dem „Kind im Manne“, wenn es das eigentlich doch gar nicht geben darf? (…)

 

Gestern Abend wurde das mal wieder ganz deutlich erkennbar: Da saßen mitten im Leben oder schon im letzten Lebensabschnitt stehende Menschen und haben sich unverhohlen berühren lassen.

 

Môrre hat das federleicht ausgelöst mit der schillernden

und reinen Herzlichkeit, die ihm als Ruf vorauseilt.

 

Wir sind gestern Abend wohl einem kleinen Prinzen gefolgt…

Konzertrezension 2026

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